So ist der Chihuahua vom Wesen wirklich

Der Chihuahua polarisiert wie kaum eine andere Rasse. Manche schwärmen von der innigen Bindung, andere berichten von Stress, Dauerbellen oder Tierarzt-Odysseen. Beides ist wahr. Dieser Ratgeber soll dir helfen, realistisch zu entscheiden – nicht, dich zu überzeugen.


Der Chihuahua im echten Leben – nicht auf Instagram

Viele Halter berichten, dass sie sich vor dem Einzug etwas völlig anderes vorgestellt haben. „So klein, so unkompliziert“ – dieser Gedanke hält sich hartnäckig. In der Praxis zeigt sich häufig das Gegenteil: Der Chihuahua ist emotional dicht dran, aufmerksam, schnell überfordert – und fordert im Alltag klare Führung.

Ein wiederkehrendes Thema bei dieser Rasse ist die starke Fixierung. Oft gibt es eine Bezugsperson, an der alles hängt. Das fühlt sich schmeichelhaft an, kann aber kippen: Trennungsstress, Eifersucht, Kontrollverhalten. Wer das unterschätzt, steht schnell vor Problemen.


Charakter: mutig, sensibel – und manchmal anstrengend

Was viele unterschätzen: Chihuahuas wissen nichts von ihrer Größe. Sie treten selbstbewusst auf, melden jedes Geräusch und reagieren blitzschnell auf Stimmungen. Viele Halter berichten von einem Hund, der „alles mitbekommt“ – Besuch, Streit, Stress. Das kann Nähe bedeuten, aber auch Daueranspannung.

Typische Beobachtungen aus dem Alltag:

  • Wachsamkeit bis zur Nervosität
  • Misstrauen gegenüber Fremden
  • Mut gegenüber größeren Hunden
  • schnelle Reizüberflutung in lauter Umgebung

Das ist kein „Fehler“, sondern Teil des Wesens. Entscheidend ist, wie du damit umgehst.


Erziehung: klein heißt nicht einfach

In der Praxis zeigt sich häufig, dass Probleme weniger mit dem Hund als mit der Haltung zu tun haben. Verniedlichung ersetzt keine Erziehung. Hochnehmen bei jeder Unsicherheit verstärkt Angst. „Der ist ja so klein“ wird zur Ausrede – und der Hund übernimmt die Führung.

Viele Halter berichten, dass sich Verhalten deutlich verbessert, wenn:

  • klare Regeln gelten (auch auf dem Sofa)
  • der Hund selbst laufen darf
  • Hundeschule oder Einzeltraining genutzt wird
  • souveränes Verhalten ruhig eingefordert wird

Der Chihuahua lernt schnell – wenn man ihn ernst nimmt.


Alltag: Nähe, die man wollen muss

Diese Rasse ist nichts für Menschen, die Abstand brauchen. Chihuahuas liegen gern am Körper, folgen von Raum zu Raum, reagieren sensibel auf Stimmungsschwankungen. Für manche ist das wunderbar. Für andere wird es zu viel.

Was viele unterschätzen:

  • Alleinbleiben fällt oft schwer
  • Veränderungen (Umzug, Jobwechsel) stressen stark
  • Homeoffice klappt gut – Vollzeit außer Haus oft nicht

Wenn du viel unterwegs bist oder häufig wechselnde Tagesabläufe hast, kann das problematisch werden.


Bewegung & Beschäftigung: weniger Kilometer, mehr Kopf

Nein, ein Chihuahua braucht keinen Marathon. Aber er braucht Struktur. Mehrere kurze Spaziergänge, kleine Aufgaben, Suchspiele. Dauerhaftes Tragen schadet der Psyche – der Hund verlernt, Situationen selbst zu bewältigen.

Viele Halter berichten, dass ihr Chihuahua ausgeglichener ist, wenn:

  • er regelmäßig draußen läuft
  • Kontakt zu passenden Artgenossen hat
  • geistig gefordert wird (Nasenarbeit, Tricks)

Kinder, andere Hunde, Alltagssituationen

Ein heikler Punkt. Chihuahuas sind nicht automatisch kinderlieb. Sie sind zerbrechlich, stressanfällig und reagieren schnell, wenn Grenzen überschritten werden. In ruhigen Haushalten mit verständigen Kindern kann es funktionieren – in lauten Familien oft nicht.

Mit anderen Hunden?

  • Mit guter Sozialisierung: ja
  • Ohne Training: häufig Konflikte
  • Selbstüberschätzung gegenüber Großen ist real

Der Chihuahua ist kein Anfängerhund „light“. Er ist ein emotionaler, sensibler Begleiter mit großer Persönlichkeit. Wenn du Nähe willst, bereit bist zu führen und Verantwortung zu übernehmen, kann er wunderbar passen. Wenn du Bequemlichkeit suchst, eher nicht.

Gesundheit: der größte Knackpunkt dieser Rasse

Was viele unterschätzen: Die geringe Körpergröße schützt nicht vor Problemen – im Gegenteil. In der Praxis zeigt sich häufig, dass Chihuahuas überdurchschnittlich oft tierärztlich betreut werden, besonders im Alter. Das liegt weniger am „Hund an sich“ als an jahrzehntelanger Übertypisierung.

Viele Halter berichten, dass sie mit Themen konfrontiert werden, die sie vorher nicht auf dem Schirm hatten.

Typische gesundheitliche Baustellen

  • Patellaluxation (Kniescheibenprobleme): sehr häufig, teils OP-pflichtig
  • Zahnprobleme: Zahnstein, Entzündungen, früher Zahnverlust
  • Herzerkrankungen: insbesondere im Alter
  • Trachealkollaps: empfindliche Luftröhre, falsches Halsband verschärft das Problem
  • Unterzuckerung bei Welpen
  • Offene Fontanelle bei unseriöser Zucht

Ein wiederkehrendes Thema bei dieser Rasse ist, dass viele Probleme schleichend auftreten. Der Hund wirkt lange „normal“, bis plötzlich hohe Kosten entstehen.


Tierarztkosten & Versicherung – ehrlich betrachtet

Viele Halter berichten rückblickend, dass sie die Kosten unterschätzt haben. Ja, der Chihuahua frisst wenig – aber medizinisch kann er teuer werden.

Typische Kostenpunkte:

  • regelmäßige Zahnbehandlungen
  • Herz- und Kontrolluntersuchungen im Alter
  • orthopädische Eingriffe
  • Notfälle bei Stürzen oder Brüchen

👉 Eine OP-Versicherung ist bei dieser Rasse keine Spielerei, sondern eine realistische Absicherung.


Kälte, Wetter & Alltag – kein Nebenpunkt

Was viele unterschätzen: Chihuahuas frieren schnell. Nicht „ein bisschen“, sondern real. Zittern ist oft kein Drama, sondern schlicht Kälte oder Stress.

  • Winterkleidung ist häufig notwendig
  • Nässe und Wind werden schlecht toleriert
  • Lange Winterspaziergänge sind selten sinnvoll

Das muss man mögen – und akzeptieren.


Kaufentscheidung: hier werden die meisten Fehler gemacht

Der Chihuahua ist eine der Rassen, bei denen Fehlkäufe besonders häufig sind. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissenheit.

Worauf du beim Kauf unbedingt achten musst

  • Finger weg von „Teacup“ oder Mini-Versprechen
  • Kein extrem niedriges Endgewicht
  • Keine übertrieben kurze Schnauze
  • Geschlossene Fontanelle
  • Untersuchte Elterntiere (Patella, Herz, Augen)
  • Welpen wachsen im Haushalt auf, nicht im Käfig
  • Abgabe frühestens ab der 9. Woche

Was viele unterschätzen: Billige Welpen werden oft sehr teuer.


Tierschutz – oft die ehrlichere Option

Ein großer Teil der Chihuahuas im Tierschutz stammt aus Fehlentscheidungen:

  • Überforderung
  • Trennungsprobleme
  • gesundheitliche Baustellen
  • falsche Erwartungen

Der Vorteil: Charakter und Probleme sind meist bekannt. Der Nachteil: Man braucht Geduld, Struktur und Erfahrung. Für manche ist das der bessere Weg.


Passt ein Chihuahua zu dir? Die ehrliche Einordnung

Diese Rasse passt gut, wenn du:

  • viel Zeit und Nähe geben kannst
  • klare, ruhige Führung lebst
  • einen kleinen, aber präsenten Hund willst
  • bereit bist, dich mit Gesundheit & Erziehung zu befassen
  • einen Begleiter suchst, keinen Mitläufer

Diese Rasse passt eher nicht, wenn du:

  • wenig Zeit hast
  • einen „pflegeleichten“ Hund suchst
  • viel Trubel im Alltag hast
  • kleine Kinder ohne klare Regeln im Haushalt leben
  • Probleme lieber aussitzt als aktiv angehst

Mein Fazit: Hierauf musst du beim Chihuahua-Kauf achten

Der Chihuahua ist kein „einfacher“ Kleinhund, sondern ein sensibler, stark personenbezogener Begleiter mit klaren Ansprüchen. Die meisten Probleme entstehen nicht durch die Rasse, sondern durch falsche Erwartungen und schlechte Zucht.

Darauf kommt es beim Kauf wirklich an:

  • Keine Mini- oder Teacup-Versprechen akzeptieren
    Extrem kleine Chihuahuas haben ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko.
  • Gesundheit vor Optik
    Achte auf normale Proportionen, keine übertrieben kurze Schnauze, geschlossene Fontanelle.
  • Elterntiere prüfen lassen
    Seriöse Züchter testen Patella, Herz und Augen – ohne Ausreden.
  • Welpenumfeld genau anschauen
    Aufzucht im Haushalt, Kontakt zu Menschen, keine Massenhaltung.
  • Realistische Selbsteinschätzung
    Diese Rasse braucht Nähe, Führung und Zeit – kein Hund für „nebenbei“.
  • Kosten ehrlich einplanen
    Tierarzt, Zahnpflege und OP-Versicherung gehören fest dazu.

Kaufe einen Chihuahua nur dann, wenn du bereit bist, ihn wie einen großen Hund zu erziehen, ihn nicht zu verniedlichen und Verantwortung für viele Jahre zu übernehmen. Bist du unsicher, ob du dem gewachsen bist, ist ein erwachsener Chihuahua aus dem Tierschutz oft die bessere – und ehrlichere – Entscheidung.

Ein guter Chihuahua entsteht nicht durch Glück, sondern durch bewusste Wahl, gute Zucht und konsequente Haltung.

Die 4 Kernthemen dieses Portals

Alles, was du wissen solltest, bevor ein Hund bei dir einzieht: Entscheidungshilfen, Vorbereitung, Hund kaufen oder adoptieren, Züchter- und Tierheimwahl, typische Fehler sowie realistische Einschätzungen zu Zeit, Kosten und Verantwortung.

Unterstützung bei der passenden Rassewahl: Rasseporträts, Vergleiche, Erfahrungswerte und Einschätzungen, welche Hunderassen zu verschiedenen Lebenssituationen, Familienformen und Erfahrungsstufen passen.

Ratgeber für die Zeit nach dem Einzug: erste Tage mit dem Hund, Alltag, Erziehung, typische Anfängerprobleme und praktische Tipps für ein entspanntes Zusammenleben.

Transparente Informationen zu laufenden Kosten, Tierarzt- und OP-Risiken, Gesundheitsthemen sowie sinnvollen Absicherungen – realistisch, verständlich und ohne Schönfärberei.