Dieser Artikel soll dich nicht überzeugen, einen Havaneser zu kaufen.
Er soll dir helfen, ehrlich zu prüfen, ob diese Rasse wirklich zu deinem Leben passt.
Viele Havaneser landen nicht im Tierheim, weil sie „schwierig“ sind – sondern weil sie falsch eingeschätzt wurden. Zu süß, zu klein, zu freundlich. Und plötzlich steht man im Alltag vor Themen, die einem vorher niemand klar gesagt hat.
Ich schreibe hier so, wie Menschen sprechen, die seit Jahren mit Havanesern leben, mehrere Halter kennen, viele Geschichten gehört haben – schöne und anstrengende.
Der erste Eindruck: klein, freundlich, unkompliziert?
Viele Halter berichten, dass sie sich ursprünglich für einen Havaneser entschieden haben, weil er:
- klein ist
- niedlich aussieht
- als familienfreundlich gilt
- „nicht so viel Auslauf braucht“
Das alles ist nicht falsch – aber unvollständig.
In der Praxis zeigt sich häufig:
Der Havaneser ist kein Hund, der einfach „nebenher läuft“. Er ist emotional präsent. Und das ist gleichzeitig seine größte Stärke und seine größte Herausforderung.
Wesen & Bindung: Nähe als Lebensstil
Ein wiederkehrendes Thema bei dieser Rasse ist die extreme Menschenbezogenheit.
Viele Halter beschreiben es so:
- Der Hund folgt dir von Raum zu Raum.
- Er liegt nicht irgendwo – sondern da, wo du bist.
- Er registriert jede Veränderung im Alltag sofort.
Das fühlt sich für viele wunderbar an.
Aber was viele unterschätzen:
Diese Nähe ist kein „Feature“, das man ein- und ausschalten kann.
Alleinbleiben – einer der häufigsten Konfliktpunkte
In der Praxis zeigt sich häufig:
- Alleinbleiben fällt vielen Havanesern schwer.
- Nicht immer sofort – manchmal erst nach Wochen.
- Manche Hunde reagieren mit Heulen, andere mit Stress, Unruhe oder Dauerbellen.
Das heißt nicht, dass ein Havaneser nie alleine bleiben kann.
Aber:
- Es braucht Training.
- Es braucht Zeit.
- Es braucht Geduld.
- Und es klappt nicht bei jedem Hund gleich gut.
Wenn du regelmäßig viele Stunden außer Haus bist und keine Betreuung hast, solltest du hier sehr ehrlich mit dir sein.
Erziehung: klug, sensibel – und schnell verwöhnt
Der Havaneser ist intelligent. Das merkt man früh.
Er versteht Zusammenhänge schnell – auch die falschen.
Viele Halter berichten:
- „Einmal nachgegeben – und er merkt sich das.“
- „Er ist nicht dominant, aber sehr geschickt.“
- „Er weiß genau, wie er Aufmerksamkeit bekommt.“
Was viele unterschätzen:
Der niedliche Look verführt dazu, Regeln aufzuweichen.
Und genau das rächt sich später.
Der Havaneser braucht:
- klare, ruhige Regeln
- keine Härte
- aber Konsequenz
Wer glaubt, kleine Hunde bräuchten keine klare Führung, bekommt oft einen Hund, der:
- viel fordert
- schlecht zur Ruhe kommt
- ständig Aufmerksamkeit einfordert
Bewegung & Auslastung: weniger Kilometer, mehr Kopf
Nein, der Havaneser ist kein Joggingpartner.
Aber er ist auch kein Sofakissen.
In der Praxis zeigt sich häufig:
- Kurze Spaziergänge reichen körperlich.
- Mentale Auslastung ist entscheidend.
Was viele Halter beobachten:
- Zu wenig Beschäftigung → Nervosität
- Unterforderung → Dauerfordern
- Langeweile → Bellen oder Unruhe
Ein paar Denkspiele, kleine Trainingsroutinen, gemeinsame Rituale – das wirkt oft mehr als ein langer Spaziergang.
Fell & Pflege: der größte Irrtum
„Der haart ja kaum.“
Das stimmt – und ist gleichzeitig einer der größten Trugschlüsse.
Viele Halter sagen rückblickend:
„Hätte ich gewusst, wie viel Pflege das Fell macht, hätte ich mir das vorher besser überlegt.“
Die Realität:
- Das Fell wächst ständig.
- Es verfilzt schnell.
- Besonders Achseln, Ohren, Beine.
- Ohne regelmäßiges Bürsten wird es unangenehm – für Hund und Mensch.
Was viele unterschätzen:
- Pflege ist kein „ab und zu“-Thema.
- Sie ist Teil des Alltags.
- Entweder Zeit investieren – oder Geld für den Hundefriseur.
Kurz geschoren ist eine Lösung – aber auch dann bleibt Pflege notwendig.
Gesundheit: robust wirkend, aber nicht sorgenfrei
Der Havaneser wirkt oft stabil.
Und viele werden auch alt – 13, 14, 15 Jahre sind keine Seltenheit.
Trotzdem gibt es wiederkehrende Themen, über die Halter immer wieder sprechen:
- Knieprobleme (Patellaluxation)
- Augenprobleme
- Herzthemen im Alter
Das heißt nicht, dass dein Hund krank wird.
Aber es heißt:
Züchterwahl ist entscheidend.
Was viele erst später lernen:
- Billig gekauft kann teuer werden.
- Gesundheitsnachweise sind kein Luxus.
- Seriöse Züchter sind unbequem – und genau deshalb wichtig.
Für wen passt der Havaneser gut?
Nach allem, was man aus vielen Erfahrungsberichten sagen kann, passt diese Rasse besonders gut zu Menschen, die:
- viel Zeit zu Hause verbringen
- Nähe mögen
- bereit sind, Pflege zu leisten
- Geduld für Erziehung haben
- keinen „funktionalen“ Hund suchen, sondern einen echten Begleiter
Der Kauf: Wo viele sich im Nachhinein ärgern
Viele Halter berichten rückblickend nicht, dass sie den falschen Hund gewählt haben – sondern dass sie zu schnell entschieden haben.
Der Havaneser ist gefragt. Genau das ist das Problem.
In der Praxis zeigt sich häufig:
- Wartelisten werden ignoriert
- Bauchgefühl ersetzt Recherche
- „Der war so süß“ schlägt gesunden Menschenverstand
Ein wiederkehrendes Thema bei dieser Rasse ist leider auch:
➡️ Vermehrung statt Zucht
Woran du einen seriösen Züchter erkennst
Nicht an schönen Fotos. Nicht an perfekten Webseiten.
Sondern daran, dass er:
- dich ausfragt (Arbeitszeiten, Alltag, Erwartungen)
- dir nicht sofort einen Welpen verspricht
- offen über Krankheiten spricht
- Gesundheitsnachweise zeigt, nicht nur erwähnt
- kein Mitleid erzeugt („Sonst bleibt er hier allein…“)
Was viele unterschätzen:
Ein guter Züchter kann sich leisten, Nein zu sagen.
Der Welpe zieht ein – und dann?
Die ersten Tage sind meist ruhig. Fast zu ruhig.
Viele Halter berichten:
„Er war am Anfang so brav – und dann kam plötzlich alles.“
Das ist normal.
Was oft passiert:
- Der Welpe orientiert sich stark
- Er folgt dir überallhin
- Er wirkt anhänglich, fast „pflegeleicht“
In der Praxis zeigt sich häufig erst nach einigen Wochen:
- Unsicherheit, wenn du gehst
- Unruhe am Abend
- Forderndes Verhalten
- Bellen bei Geräuschen
Das ist kein „schlechter Charakter“.
Das ist ein Hund, der Bindung ernst meint.
Alleinbleiben – ehrlich betrachtet
Dieses Thema entscheidet bei vielen Familien darüber, ob der Alltag langfristig funktioniert.
Was viele Halter berichten:
- Kurze Trennungen gehen
- längere Abwesenheit ist schwierig
- Rückschritte nach Urlaub oder Krankheit sind häufig
Was viele unterschätzen:
Alleinbleiben ist kein Zustand, sondern ein Trainingsprozess.
Wenn du:
- täglich mehrere Stunden außer Haus bist
- keinen Spielraum für Training hast
- erwartest, dass „sich das schon gibt“
… dann wird es sehr wahrscheinlich schwierig.
Havaneser & Kinder – eine gute Kombination?
Grundsätzlich ja. Aber nicht automatisch.
In der Praxis zeigt sich häufig:
- Havaneser sind freundlich zu Kindern
- sie sind geduldig – bis sie es nicht mehr sind
- sie ziehen sich eher zurück, statt zu schnappen
Das Problem entsteht meist nicht durch den Hund, sondern durch:
- fehlende Rückzugsorte
- ständiges Hochnehmen
- keine Ruhephasen
Viele Halter sagen rückblickend:
„Wir mussten vor allem den Kindern beibringen, den Hund in Ruhe zu lassen.“
Pflege & Kosten – das unterschätzte Langzeit-Thema
Ein Havaneser ist kein günstiger Hund – auch wenn er klein ist.
Viele rechnen nur mit:
- Kaufpreis
- Futter
Und übersehen:
- regelmäßige Fellpflege
- Hundefriseur
- Tierarztkosten im Alter
- mögliche OPs (z. B. Knie)
- Versicherung
Was viele Halter offen sagen:
„Es ist nicht unbezahlbar – aber man sollte es vorher wissen.“
Typische Fehler, die man immer wieder hört
Einige Aussagen tauchen in Gesprächen mit Haltern erstaunlich oft auf:
- „Das mit dem Alleinbleiben haben wir unterschätzt.“
- „Wir dachten, klein heißt unkompliziert.“
- „Das Fell war uns vorher nicht klar.“
- „Er ist viel anhänglicher als erwartet.“
Diese Sätze bedeuten nicht, dass der Hund „falsch“ ist.
Sie bedeuten, dass die Erwartung falsch war.
Ehrliche Entscheidungshilfe: Passt ein Havaneser zu dir?
Ein Havaneser passt gut zu dir, wenn:
- du viel Zeit zu Hause verbringst
- Nähe für dich etwas Positives ist
- du bereit bist, täglich Pflege zu leisten
- du Geduld für Training hast
- du einen echten Begleiter willst, keinen „Nebenbei-Hund“
Ein Havaneser passt eher nicht, wenn:
- du häufig lange außer Haus bist
- du wenig Lust auf Fellpflege hast
- dich Bellen stark stresst
- du einen unabhängigen Hund suchst
- du erwartest, dass sich Probleme „von selbst regeln“
Zum Schluss – ganz ehrlich
Der Havaneser ist kein Anfängerfehler.
Aber er ist ein Hund, der Nähe einfordert.
Viele, die sich bewusst für ihn entschieden haben, sagen:
„Ich würde ihn wieder nehmen – aber ich würde es heute informierter tun.“
Fazit: Hierauf musst du beim Kauf eines Havanesers achten
Der Havaneser ist kein „kleiner Mitläufer“, sondern ein Hund, der Nähe, Struktur und Präsenz braucht. Genau das wird beim Kauf am häufigsten unterschätzt.
Darauf kommt es wirklich an:
- Zeit & Nähe: Viele Havaneser tun sich schwer mit Alleinbleiben. Wenn du oft lange außer Haus bist, wird es problematisch.
- Klare Erziehung: Er ist klug und sensibel – ohne konsequente Regeln wird er schnell fordernd.
- Fellpflege: Wenig Haarverlust heißt nicht wenig Aufwand. Regelmäßiges Bürsten ist Pflicht.
- Gesundheit: Achte auf nachweislich untersuchte Elterntiere (v. a. Knie & Augen).
- Züchterwahl: Kaufe nur dort, wo man dich kritisch prüft und auch Nein sagen würde.
Kaufe einen Havaneser nur dann, wenn du:
- Zeit im Alltag bewusst für ihn einplanen kannst,
- bereit bist, Pflege und Training langfristig zu übernehmen,
- und einen seriösen Züchter wählst – auch wenn das Warten bedeutet.
Wenn du bei einem dieser Punkte innerlich zögerst, ist das ein klares Signal: Lieber weiter suchen oder eine andere Rasse prüfen, als später enttäuscht zu sein.







